Stromsuche Gewitter im Anflug – und trotzdem geblieben
Manchmal braucht es gar keine riesige Reise, damit sich ein Wochenende nach Abenteuer anfühlt.
Bei uns reichten diesmal: ein Cupra, ein Dachzelt, ein paar Kisten, eine EcoFlow, Starlink Mini, eine Kühlbox, französische Croissants, ein fast leerer Akku und ein Ort direkt an der Maas.
Unser Ziel: Givet in Frankreich.
Keine zwei Kilometer hinter der belgischen Grenze. Also quasi einmal kurz rüberfallen und schon steht man zwischen Felsen, Fluss, französischem Charme und dieser leisen Stimme im Kopf, die sagt:
Ja, genau hier bleiben wir erstmal.
Ankunft mitten in der Nacht
Wir kamen spät an.
Also wirklich spät.
Mitten in der Nacht rollten wir in Givet ein und fanden über Park4Night eine Sackgasse direkt an der Maas. Dort standen bereits etliche Camper. Bestimmt zehn weitere Fahrzeuge hatten sich dort schon artig eingereiht.
Also machten wir das, was man als höflicher Dachzelt-Mensch nachts unter Campern macht:
So wenig Lärm wie möglich.
Kein großes Ausräumen. Kein Abendessen. Kein wildes Kisten-Tetris. Und auch kein Besuch unseres liebevoll benannten Kacki Kackis, also der Porta Potti.
Denn wer unser Auto kennt, weiß: Wenn wir anfangen, den Cupra zu enträumen, klingt das ungefähr so, als würde jemand nachts um halb zwei einen kleinen Umzug veranstalten.
Das wollten wir den anderen Campern dann doch ersparen.
Also gab es nur noch den sehr glamourösen Mitternachtssnack:
Ein beherzter Biss in die Schlangengurke.
Campingküche auf Minimalismus-Level: Hauptsache irgendwas im Magen.
Danach wurde nur noch das Dachzelt aufgeklappt. Und da müssen wir mittlerweile wirklich sagen: Das läuft.
Inzwischen geht uns das so schnell von der Hand, dass wir fast schon ein bisschen stolz sind. Auto abstellen, Zelt aufbocken, Leiter dran, fertig.
Wenn nur der Rest vom Camping-Setup auch so einfach wäre.
Dann ging es ab in die Heia.
Givet zeigt sich von seiner schönsten Seite
Am nächsten Morgen kam dann der Moment, der jede etwas chaotische Anreise sofort vergessen lässt.
Wir machten das Zelt auf und Givet präsentierte sich von seiner richtig schönen Seite.
blauer Himmel
Sonnenschein
die Maas direkt vor uns
Felsen auf der anderen Seite
und darüber die imposante Citadelle
Charlemont thront dort oben über dem Ort, als würde sie sagen:
Na, willkommen. Schön, dass ihr es auch mal geschafft habt.
Und ganz ehrlich: wow.
Dieser Blick war schon beim ersten Kaffee ein kleines Geschenk.
Givet selbst wirkt dabei nicht übertrieben herausgeputzt. Es hat eher diese Mischung aus Grenzort, Flussidylle, Geschichte, alten Häusern, Felsen und französischer Gelassenheit. Genau diese Art Ort, wo man gar nicht viel machen muss, um sich direkt ein bisschen angekommen zu fühlen.
Frühstück aus der Billig-Omnia
Natürlich musste erstmal gefrühstückt werden.
Frische Brötchen aus unserer günstigen Omnia-Nachahmung. Also quasi Campingbackofen auf Low-Budget-Art.
Und was sollen wir sagen?
Wir waren positiv überrascht.
Die Brötchen waren gut. Warm. Knusprig genug. Und für unsere Verhältnisse schon fast luxuriös.
Kleiner Tipp aus der Praxis:
Regelmäßiges Wenden verhindert Briketts.
Man lernt ja dazu.
Nach dem Frühstück kam dann wieder dieser Teil, den Instagram bei Campingbildern gerne ausblendet:
spülen
einräumen
alles wieder sortieren
Wasser
Tassen
Teller
Pfanne
Kocher
Kisten
Kabel
Powerbank
Kühlbox
Starlink
EcoFlow
Und genau da kam die erste größere Erkenntnis des Wochenendes.
Unsere EcoFlow Delta 2 Max hält viel aus. Aber nicht ewig.
Kühlbox, Starlink Mini und Powerbanks ziehen ordentlich Strom. Und zwar deutlich schneller, als wir es erwartet hatten.
Autark sein klingt immer so romantisch.
Bis man auf die Prozentanzeige schaut.
Die große Strom-Odyssee beginnt
Also machten wir Park4Night auf und suchten nach Lademöglichkeiten.
Givet sollte laut App direkt mehrere Möglichkeiten haben.
Drei Stück sogar.
Klang erstmal entspannt.
Spoiler: War es nicht.
Erste Station gegen 13 Uhr: Platz gefunden, aber kein Strom vorhanden.
Gut. Kann passieren.
Also weiter zur zweiten Möglichkeit.
Die war dann irgendwie gar nicht mehr vorhanden.
Auch schön.
Also zur dritten.
Die öffnete erst um 14 Uhr.
Also warteten wir artig. Denn wir sind ja flexibel. Geduldig. Tiefenentspannt. Camper eben.
Mehr oder weniger.
Als es dann so weit war, wurden wir von einer neuen Mitarbeiterin des Campingplatzes freundlich gebeten, später wiederzukommen. Sie hätte noch keine Ahnung, wie das funktioniert.
Und da standen wir dann.
mit EcoFlow
mit Hoffnung
mit sinkendem Akkustand
und mit dieser Frage:
Was nun?
Belgien, Jetons und die nächste Sackgasse
Wir erweiterten den Suchradius.
Wenn Frankreich gerade nicht will, dann eben Belgien.
Also rund 30 Kilometer rüber.
Dort sollte es einen modernen Platz für Camper geben:
Wasser befüllen
Wasser entsorgen
Stromsäulen
alles schön geregelt mit Jetons
Jetons per Automat
Klingt super, oder?
Tja.
Der Automat hatte keine Jetons mehr.
Also auch kein Strom.
Da standen wir nun wieder.
Vor moderner Infrastruktur, die theoretisch perfekt gewesen wäre, praktisch aber einfach nur dekorativ herumstand.
Camping ist manchmal wie ein Escape Room, nur draußen und mit weniger Hinweisen.
Zurück nach Givet
Also gab es zwei Möglichkeiten.
weiterfahren und noch mehr suchen
oder nochmal zurück nach Givet zum Campingplatz
Wir entschieden uns für Givet.
Zum Glück.
Denn dort trafen wir ein sehr nettes Schweizer Paar, das uns mit der riesigen Sprachbarriere geholfen hat. Und ja, riesig ist hier nicht übertrieben.
Wir können kein Französisch. Die Mitarbeiterin kaum Deutsch oder Englisch. Und irgendwo dazwischen standen wir mit unserer EcoFlow und wollten sagen:
Wir brauchen nur Strom. Wirklich nur Strom. Wir ziehen auch nicht ein.
Mit Hilfe, Händen, Füßen und wahrscheinlich ein paar sehr kreativen Gesten durften wir dann tatsächlich auf den Platz.
Für drei Euro Strom laden.
Juhu.
Es war ja auch erst 17 Uhr.
Aber egal. Die EcoFlow hing am Strom. Die Laune stieg. Die Welt war wieder in Ordnung.
Autark? Ja. Irgendwann.
Nach dem Laden ging es wieder zurück an die Maas.
Wieder einreihen. Wieder ankommen. Wieder Blick auf Wasser und Felsen.
Und erstmal alles sacken lassen.
Diese kleine Strom-Odyssee hat uns ziemlich klar gezeigt: So ganz autark sind wir noch nicht.
Ohne Solar wird das bei uns auf Dauer schwierig. Nicht unmöglich, aber schwieriger als gedacht.
Starlink Mini ist großartig, wenn man Internet möchte. Die Kühlbox ist Gold wert, wenn man Lebensmittel frisch halten will. Die Powerbanks wollen auch gefüttert werden.
Und plötzlich merkt man:
Strom ist beim Camping nicht nur ein nettes Extra, sondern eine eigene kleine Lebensform, um die man sich kümmern muss.
Aber: Wir haben es hinbekommen.
Mit Händen, Füßen, ChatGPT-Übersetzung, netten Menschen und ein bisschen Hartnäckigkeit geht erstaunlich viel.
Croissants, Baguette und der Plan für Tag zwei
Nach einer guten Nacht war der Plan für den nächsten Tag klar:
Heute wird es entspannter.
Wirklich.
Diesmal nehmen wir uns Zeit.
Morgens ging es erstmal zu Fuß los, um französische Croissants und Baguette zu holen. Und das war schon mal herrlich, weil wir nicht direkt wieder das Auto bewegen mussten.
Denn wer unser Setup kennt, weiß:
Auto kurz bewegen heißt nicht einfach Schlüssel drehen.
Auto kurz bewegen heißt:
Kisten sichern
Kabel weg
Sachen rein
Sachen raus
Klappe zu
nochmal prüfen, ob nichts im Weg ist
und am Ende trotzdem irgendwas suchen
Also zu Fuß. Sehr gute Entscheidung.
Die Citadelle ruft
Danach nahmen wir uns endlich die Citadelle vor.
Hoch oben über Givet liegt die Festung Charlemont. Riesig, massiv, direkt in den Fels gebaut und mit einem Blick über das Tal, der einem erstmal kurz die Sprache nimmt.
Schon von unten wirkt sie beeindruckend. Aber wenn man sich ihr nähert, merkt man erst, wie groß das Ganze wirklich ist.
alte Mauern
Wege
Aussichtspunkte
Festungsanlagen
Geschichte an jeder Ecke
immer wieder neue Blicke auf Maas, Stadt und Felsen
Man kann dort oben wunderbar herumstreifen, schauen, entdecken und immer wieder stehen bleiben, weil sich der Blick auf die Maas, die Stadt und die Felsen verändert.
Das ist nicht einfach nur ein „wir laufen mal kurz da hoch“-Ding.
Das ist eher so:
Wir gehen mal eben hoch und merken dann, dass wir hier problemlos viel länger bleiben könnten.
Oben fühlt man sich plötzlich ein bisschen klein. Unter einem der Ort, daneben die Maas, gegenüber die Felsen und drumherum dieses Gefühl, dass hier schon sehr viel Geschichte passiert ist, bevor wir mit Dachzelt und leerer EcoFlow um die Ecke kamen.
Und genau solche Orte mögen wir.
Nicht übertrieben glatt. Nicht künstlich. Sondern mit Charakter.
Nochmal Strom, weil wir ja dazulernen
Nach der Citadelle ging es nochmal zum Campingplatz.
Ja, sie erkannten uns schon.
Die Deutschen mit der EcoFlow.
Diesmal war es fast Routine. Nochmal Strom laden. Nochmal ein bisschen Sicherheit für die nächste Nacht sammeln.
Man wächst ja mit seinen Aufgaben.
Danach wieder zurück zur Maas.
Und dann hieß es: schnell essen machen.
Sehr schnell.
Denn am Himmel sah es zunehmend danach aus, als hätte das Wetter beschlossen, jetzt auch noch ein bisschen Drama in diesen Trip zu bringen.
Gewitter links, Gewitter rechts
Es drohten mächtige Gewitter aufzuziehen.
Und mit unserem Cupra-Dachzelt-Setup ist das so eine Sache: Grillen im Auto fällt eher aus.
Also zack zack.
Kocher raus
Essen machen
alles bereit halten
Himmel beobachten
Rechts krachte es.
In der Ferne sah es aus, als würde gleich alles runterkommen.
Und bei uns?
Nichts.
Gar nichts.
Nicht mal ein bisschen Weltuntergang.
Also saßen wir am Ende einfach im Stuhl, hatten unser Essen, unseren Blick auf die Maas und konnten den Abend genießen.
Manchmal macht man sich völlig verrückt wegen Wetter-Apps, Radar, Wolken und Vorhersagen. Und manchmal zieht alles links und rechts vorbei, während man selbst trocken dasitzt und sich fragt, ob man jetzt eigentlich Glück hatte oder einfach nur dramatisch genug vorbereitet war.
Wahrscheinlich beides.
Schlafen wie ein Baby
Die Nacht war dann großartig.
Wir haben geschlafen wie Babys.
Nur mit dem Unterschied, dass Babys meistens nicht morgens panisch aufstehen, weil Regen droht und man das Dachzelt auf keinen Fall nass einpacken möchte.
Wir schon.
Am Morgen war sofort wieder Hektik drin.
Regen in Sicht.
Also:
raus aus dem Zelt
zusammenpacken
alles sichern
Leiter weg
Zelt runter
Zack zack.
Und kaum waren wir dabei, war er auch schon da: der Regen.
Timing können wir.
Manchmal.
Französische Freundlichkeit bleibt hängen
Was uns von diesem Wochenende aber besonders in Erinnerung bleibt, sind nicht nur die Aussicht, die Felsen oder die Citadelle.
Es sind die Menschen.
die Mitarbeiter auf dem Campingplatz, mit denen wir uns irgendwie verständigt haben
das Schweizer Paar, das uns geholfen hat
die Besitzerin des Anwesens hinter unserem Stellplatz an der Maas
Am letzten Abend kam sie zu uns und sagte, falls wir Wasser benötigen würden, könnten wir gerne zu ihr kommen und uns welches holen.
Das war so eine kleine Geste, aber genau solche Dinge bleiben.
Gerade wenn man selbst sprachlich eher auf dem Niveau „Bonjour, merci und wildes Zeigen auf Dinge“ unterwegs ist, merkt man, wie viel Freundlichkeit ausmacht.
Mit Händen und Füßen geht vieles.
Mit ChatGPT-Übersetzung noch ein bisschen mehr.
Und mit netten Menschen sowieso.
Unser Fazit zu Givet
Givet war für uns kein perfekt durchgeplanter Trip.
Es war eine Mischung aus:
später Ankunft
Gurken-Abendessen
fantastischem Stellplatz
Stromsuche mit Hindernissen
Croissants
Citadelle
Gewitterdrama
nassem Abbau
und sehr viel französischem Charme
Also eigentlich ziemlich genau unser Ding.
Wir haben wieder einiges gelernt.
Autark stehen ist möglich, aber wir brauchen Solar.
Unsere EcoFlow ist stark, aber nicht unendlich.
Starlink Mini ist super, aber stromhungrig.
Das Dachzelt bleibt unser schnellster und zuverlässigster Aufbau-Part.
Und Frankreich?
Frankreich hat uns ehrlich gesagt ziemlich abgeholt.
Nicht laut. Nicht aufdringlich. Sondern mit Aussicht, Freundlichkeit, kleinen Herausforderungen und diesem Gefühl, dass man wiederkommen möchte.
Au revoir, France
Nach ein paar wundervollen Tagen voller Aufs und Abs traten wir den Rückweg an.
Mit müden Augen.
Mit neuen Erkenntnissen.
Mit weniger Stromangst, aber mehr Solarwunsch.
Mit ein bisschen Regen im Nacken.
Und mit einem sehr guten Gefühl.
Au revoir, France.
Es war uns eine Ehre.
Wir kommen wieder.
